Liebe üben und Freude weitergeben - Daniel Franke

Liebe üben und Freude weitergeben-
Eine Osterandacht --- Daniel Franke 2022

Ich gehe gerne nach draußen, um die Natur sehen und erleben zu können. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz, aber im Frühling ist es besonders schön, zu sehen, wie nach dem Winter alles wieder erwacht. Die Tage werden länger, der alljährliche Kreislauf der Vegetation beginnt von vorne. An manchen Stellen sind die Frühlingsblumen, man sagt auch Frühblüher dazu, einzeln zu finden. Anderswo treten sie vielfach auf. Bekannt sind etwa die Krokuswiesen in Drebach und Schlößchen (Erzgebirge) oder die Märzenbecherblüte im Polenztal (Sächsische Schweiz). Viele Menschen erfreuen sich daran.


Auch ich bin immer wieder neu von der Vielfalt im Frühling fasziniert. Zum Beispiel gibt es ganz verschiedene Arten von Narzissen. Dichternarzissen etwa haben weiße Blüten und duften stark. Die wohl bekanntesten Narzissen sind die gelben Osterglocken, die so heißen, weil sie um die Osterzeit herum blühen. Gott zeigt uns Menschen durch seine Schöpfung, dass wir ihm sehr viel wert sind. Er hat alles für uns gemacht. In 1. Johannes 4,16 steht: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.


Welche Bedeutung hat diese klare Feststellung für uns?

1. Gott ist die Liebe.
Nicht alles in dieser Welt ist erklärbar, auch wenn Wissenschaftler immer wieder versuchen, alles bis ins kleinste Detail zu erforschen. Schon im 17. Jahrhundert erkannte dies der lutherische Geistliche und Liederdichter Tobias Clausnitzer. Im bekannten Kirchenlied "Liebster Jesu, wir sind hier", welches von ihm geschrieben wurde, heißt es in der zweiten Strophe: "Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis verhüllet". Wir können uns nicht alles, was in dieser Welt geschieht, selbst erklären. Ganz gewiss aber dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott auf alle Fragen, die sich uns stellen, eine Antwort hat, weil er allmächtig ist. Die Liebe, die von ihm ausgeht, ist bedingungslos. Wir können so zu ihm kommen, wie wir sind und dürfen uns darauf verlassen, dass er  für uns sorgt.


Gottes Liebe zeigt sich zum einen an der von ihm bis ins kleinste Detail durchdachten Schöpfung, zu welcher auch der Mensch gehört, mit dem Gott in Beziehung treten möchte. Zum anderen erwählt der Herr sein Volk Israel, welches er versorgt, vor Feinden rettet und schließlich ins verheißene Land führt. Doch sein Volk ist Gott nicht genug. Er weitet seine Verheißung auf alle Völker dieser Erde aus. Keiner wird ausgeschlossen.

2. Liebe üben bedeutet, Gott nahe zu sein.
Das Leben ist ein Auf und Ab. Nicht alles ist einfach. Es tut mir gut, zu wissen, dass ich nicht alles, was schief läuft, ändern kann, denn Gott steht über allem und weiß auch immer einen Weg. Natürlich bedeutet das nicht, dass ich damit aufhören sollte, an mir und meinen Fehlern zu arbeiten. Sportler zum Beispiel müssen zur Fehlervermeidung bestimmte Abläufe ständig wiederholen.


Der Herr ist für uns da. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er auf uns achtet und uns durch unser Leben führt. Wer sich in seiner Nähe weiß, ist glücklich. Der Psalmbeter Asaf drückt es so aus: "Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun" (Psalm 73,28).

Um uns herum leben viele andere Menschen. Nur wenige kennen wir persönlich. Manche sehen wir oft, andere eher selten, viele auch nur einmal. Es ist wichtig, Gottes Liebe nicht alleine für sich zu behalten, sondern auch an andere weiterzugeben. Das ist nicht einfach in dieser Gesellschaft, wo geistliche Werte immer weniger zu zählen scheinen und manche sich in Konsum, Süchten oder Ängsten verlieren. Ich möchte es aber trotzdem immer wieder in meinem Umfeld versuchen, beispielsweise durch Gebet, freundliche Worte, einen Gruß, eine helfende Hand oder ein offenes Ohr.


Laut dem Apostel Paulus soll ein Gebot über allem Handeln stehen: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" (3. Mose 19,18). Nur wer seine Mitmenschen achtet und ihnen in Liebe gegenübertritt, kann auch Gott lieben und umgekehrt. Wer Liebe übt, also versucht, achtsam und freundlich mit seinen Mitmenschen umzugehen, lässt dem Hass keine Chance, sondern sät Frieden, Hoffnung und Freude.

3. Gott zeigt uns seine unendliche Liebe durch Jesus.
Gottes Liebe zeigt sich in vielfältiger Weise. Am meisten jedoch können wir sie an seinem Sohn Jesus Christus erkennen, der als Retter und Erlöser auf die Erde kam. Jesus macht keinen Unterschied. Er wendet sich Menschen zu, die von anderen ignoriert oder ausgegrenzt werden, zum Beispiel dem blinden Bartimäus (Markus 10,46-52). Ebenso kümmert sich der Herr auch um die Reichen und Mächtigen, etwa den Steuereintreiber Zachäus, der Jesus bei sich aufnimmt und seine Fehler bereut (Lukas 19,1-10). Jesus wendet sich allen Menschen zu, auch uns. Das bedeutet, dass sich keiner alleine fühlen muss. Darüber bin ich froh und dankbar.


Gott opferte seinen Sohn stellvertretend für die Fehler (Sünden) aller Menschen am Kreuz. Jesus litt und starb für uns. Doch am dritten Tag ist er von den Toten auferstanden. In der Liebe zu bleiben, das bedeutet auch, an Jesus festzuhalten. Wer Jesus vertraut, der hat das ewige Leben. So dürfen auch wir gewiss sein, dass Jesus uns von allem Bösen errettet und zum ewigen Leben führt. Jesus hat den Tod besiegt. Deshalb feiern wir Ostern. Die frühlingshafte Natur draußen erinnert mich daran, dass Jesus alles neu macht.


Geben wir die Osterfreude weiter, damit auch andere dadurch Gottes Liebe erfahren können. Amen.