Interview mit Tabea Fuß

Von wann bis wann warst Du im Freiwilligendienst und wo?

Ich habe von September 2005 bis August 2006 einen einjährigen Freiwilligendienst bei der AMB in Brasilien gemacht.

Was waren Deine Aufgaben?

Ich habe fünf Monate im Kinderhaus Lar Levi gearbeitet und dort bei den Aufgaben des täglichen Lebens geholfen: Kinder hüten, Haushaltstätigkeiten, landwirtschaftliche Aufgaben und teilweise Bürotätigkeiten. Danach war ich für sieben Monate in der Familienpatenschaft tätig und war dort für die Korrespondenz der Familien mit ihren Paten verantwortlich (Übersetzung, Patenbriefe), habeandere Bürotätigkeiten gemacht und während der Veranstaltungen im Landesinnern ( Gottesdienste etc.) die Kinderstunden gehalten ebenso war ich bei Familienbesuchen sowie bei Arbeitseinsätzen in den Dörfern unterstützend dabei. Alles in allem waren meine Aufgaben in beiden Projekten sehr vielfältig und eine gute Mischung aus "Büro und Praxis".

Was hat Dich bewogen, einen Freiwilligendienst zu leisten?

Für mich stand sehr früh fest, dass ich nach dem Abitur nicht direkt studieren würde, sondern erstmal etwas Lebenserfahrung sammeln möchte. Gott hat mir dann Brasilien auf´s Herz gelegt und so habe ich mich auf den Weg gemacht.

Was hat sich in Deiner Dienstzeit geprägt, wo hast Du Dich verändert?

Mich haben die Menschen und ihre Art, miteinander umzugehen, sehr geprägt. Meine Gastmama hat mich tief mit ihrer Gastfreundschaft beeindruckt. Egal wo man hinkam, man war stets von Herzen willkommen. Auch waren die meisten Menschen zufrieden, obwohl sie so wenig besaßen. Außerdem hat mich die Liebe, die meine "Chefin" in der Familienpatenschaft für jeden hatte, tief berührt und sie ist ein wesentlicher Einfluss für meine heutige Arbeitseinstellung als Sozialarbeiterin. Wo habe ich mich verändert? Ich bin zeitlich flexibler geworden. Lieber dauert ein Termin länger als geplant, aber dem Menschen ist danach wenigstens etwas geholfen. Ich bin, glaub ich, wesentlich reifer zurückgekehrt mit einem Herz für die Leute unserer Gesellschaft, denen es nicht so gut geht.

Wie hat sich Deine Gottesbeziehung verändert? Wie hat Dich der Dienst geistlich bereichert?

Ich fühlte mich nach dem Dienst abhängiger von Gott und habe mich auch abhängiger von ihm gemacht, weil mich der Glaube im Landesinnern echt berührt hat. Mein Dienst hat mich auch dahingehend geistlich bereichert, dass mit Liebe und Gastfreundschaft unabhängig des Ansehens der Person noch wichtiger geworden. Darin sehe ich Jesus.

An welchen Stellen profitierst Du heute noch von den Erfahrungen aus Deiner Dienstzeit?

In meiner heutigen Arbeit als Sozialarbeiterin und in Zeiten der Erwerbslosigkeit, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich habe und mich nicht über das Haben oder nicht Haben definieren muss.

Mit welchen Worten würdest Du anderen den Freiwilligendienst weiterempfehlen?

"Gehet hin und lernet" war der Leitvers, den uns damals eine der Aussendeorganisationen auf den Weg mitgegeben hat. Deshalb: "Geh in Ausland, nutze die Zeit dich und die Welt mal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen und lass dich von Gott beschenken und gebrauchen. Die Zeit des Studiums und der Arbeitsalltags kommt früh genug und von so einem Freiwilligendienst zehrst du dein Leben lang. Lass dich prägen."